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» Presseartikel erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 25.07.2009

» Presseartikel erschienen in der Welt Online am 19.09.09

Das innere Feuer

von Michaela Nolte

Auch wenn die Malerei wie kein anderes Medium den Kunstmarkt derzeit beherrscht – es gibt viele andere Kunstformen, in die Sammler ihr Geld und ihre Leidenschaft investieren. Die Seite „Kunst & Markt“ stellt in ihrer Sommerserie Händler aus Berlin vor, die sich auf ihrem Spezialgebiet einen Ruf erworben haben.

E.T. A. Hoffmann lässt den Goldschmied Cardillac in „Das Fräulein von Scuderi“ gleich mehrere Morde begehen, um seine Edelstein-Kreationen zurückzubekommen. Und Marilyn Monroe hat es in „Blondinen bevorzugt“ auf den Punkt gebracht: „Diamonds Are a Girl’s Best Friend.“ Edler Schmuck bietet seit jeher den Rohstoff für Mythen und Geschichten, seine Anziehungskraft vor allem auf Frauen ist ungebrochen.

Vorwiegend weiblich ist auch die Klientel von Ulf Breede: „Allerdings sind die Sammler im großen Stil eher Männer. Frauen wollen ihren Schmuck tragen. Ein Sammler wie der britische Ölmagnat Calouste Gulbenkian ließ bei René Lalique direkt für die Vitrine fertigen. Ein Brillant kann noch so viel Feuer haben, für die weibliche Kundschaft muss er zu ihrem Typ, zu ihrer Garderobe passen.“ So war es auch bei der Kölner Sammlerin, die Breedes Laden regelmäßig mit einem Kustos des Berliner Museums für Angewandte Kunst besuchte. Die Meinung des Fachmanns war von Gewicht, aber wenn ihr ein Geschmeide nicht gefiel, wurde es nicht gekauft. Denn zu entsprechenden Anlässen hat die mittlerweile verstorbene Dame ihre Preziosen für einen Abend aus dem Museum „geborgt“.

Näheres über die Mäzenin mit dem erlesenen Geschmack verrät Breede nicht. Diskretion zählt für den 1937 geborenen Schmuckexperten zu den wichtigsten Tugenden. Das mag in seiner norddeutschen Herkunft gründen, ebenso in seiner Überzeugung, dass man mit Werten nicht wuchern soll. So ist denn auch das Auffallendste am kleinen Ladengeschäft, das Breede seit 1994 in der Fasanenstraße führt, dessen schlichte Eleganz.

Der Schmuck wurde dem Spross einer Juweliersfamilie in die Wiege gegeben. Schon der Urgroßvater war Goldschmied und legte den Grundstein 1859 in Kiel mit einem Geschäft für Gold- und Silberwaren. In vierter Generation übernahm Breede das Familienunternehmen Anfang der siebziger Jahre. Doch in den Achtzigern beschritt Breede eigene Wege. Ein holländischer Kollege hatte ihn eingeladen, eine Ausstellung mit altem Schmuck zu organisieren. Es blieb nicht bei einem Abstecher in historische Gefilde. Aus anfänglicher Lust wurde eine Leidenschaft. Mit dem Umzug in die Münchener Residenzstraße gab Breede 1986 das Kieler Geschäft und die Werkstatt auf und konzentriert sich seither auf den Handel mit Schmuckschöpfungen vornehmlich des 19. Jahrhunderts bis in die fünfziger Jahre.

Das Angebot umfasst Kleinodien von Cartier bis Tiffany, Schmuckkünstler des Historismus wie Alessandro Castellani oder Eugène Fontenay sowie mit Georges Fouquet oder Lalique die großen Namen des Art Nouveau. Manches Stück bedarf nicht nur der Kennerschaft, sondern auch einer Lupe, um seine Schönheit zu erkennen. Bei dem schmalen Dreißiger-Jahre-Armband von La Cloche ist die Raffinesse der winzigen Saphire mit dem bloßen Auge nicht sichtbar: Jedes der über 100 Steinchen ist anders und von Hand geschliffen.

Neben den großen Firmen oder Stücken von musealem Rang gibt es auch weniger namhafte oder unbekannte Gestalter, deren Werke durch Originalität oder einen schlichten Reiz bestechen, wie der 1780 in England gefertigte Goldring, dessen Smaragd von Rubinen und zwei in Silber gefassten Diamanten umrankt ist. Andere Stücke haben eine besondere Geschichte, wie der Burgtheater-Ring, der 1929 an Gerhart Hauptmann verliehen wurde.

Diskretion wahrt Breede auch bei den Preisen. Der Ring aus dem 18. Jahrhundert kostet zwischen 5000 und 10 000 Euro, der Goldring mit einem Brillanten und Gerhart-Hauptmann-Provenienz in der nächsthöheren Klasse. Die Angaben für das La-Cloche-Armband oder für die hinreißende, kleine Parure von Van Cleef & Arpels, bestehend aus einem teilbaren Collier und Ohrringen, erfolgen auf Anfrage.

„Unsere Käufer sind eher introvertierte Typen, die Substanz und innere Werte bevorzugen und nicht auffallen wollen,“ beschreibt Breede seine Kunden. Das gilt auch für ihn selbst. So schwärmt er von der Schönheit eines Cabochon, dessen glatter Rundschliff zwar einfacher ist als ein Facettenschliff, doch dafür strahlt „das Innenleben des Steins betont und nicht angeberisch“. So scheint es folgerichtig, dass Breedes Spezialgebiet neben historistischem Schmuck das Art Nouveau ist, das die Schmuckkunst revolutionierte und Naturmotive und einfache Materialien gegen repräsentatives Funkeln setzte. Lalique machte Email, Horn, Halbedelsteine Ende des 19. Jahrhunderts salonfähig. Seine Anhänger oder Broschen liegen heute auch ohne große Edelsteine oder kostbare Perlen im sechsstelligen Bereich.

Seit dieser Epoche steht die künstlerische Gestaltung gegenüber dem handwerklichen und materiellen Wert im Vordergrund. „Das ist ähnlich wie auf dem Kunstmarkt“, sagt Breede. „Der Wert eines Schmuckstücks bemisst sich an der künstlerischen Originalität, seiner Qualität und am Renommee des Schöpfers. Die Kosten für Leinwand und Öl sind für den Wert eines Gemäldes ja auch unerheblich.“ Auch sonst weist der Schmuckhandel Parallelen zum Kunstmarkt auf. Die Prunkstücke werden in New York, London und Paris gehandelt. Der deutsche Markt ist überschaubar. Alter Schmuck ist Teil des Antiquitätenhandels. Hier hat sich Breede, der auch auf der TEFAF, der Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse vertreten ist, als Einziger spezialisiert.

Ulf Breede, Fasanenstraße 69, Di-Fr 10-13, 15-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr. Sommerpause: 1. bis 22. August.


Faible für antiken Schmuck

von Frank Wegner

Seit 150 Jahren eine Kieler Institution: Ulf Breede ist der Chef eines Traditionsunternehmens

an kann sicherlich davon ausgehen, dass der Kieler Bürger und Goldschmied Wilhelm Friedrich Ludwig Breede im Jahre 1859 nichts mit der Einführung der Spektralanalyse in die Wissenschaft zu tun hatte. Vielleicht hat er davon sogar nie erfahren. Dennoch war jenes Jahr für ihn ein entscheidendes: Er hatte mit dem Eintrag ins Bürgerbuch der Stadt Kiel das Recht erworben, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Und dies tat er dann auch. Die Gold- und Silberwerkstatt W. Breede öffnete in der Kieler Vorstadt ihre Pforten. Heute ist die Spektroskopie ein wichtiges Hilfsmittel zur Untersuchung von Edelsteinen. Und heute ist der Name Breede in der Juwelier- und Antiquitätenbranche ein Name mit internationalem Ruf.

Ulf Breede, der Urenkel Wilhelms, führt die Firma, die in diesem Jahr ihr 150jähriges Bestehen feiert, in Berlin. "Mein jetziges Geschäft ist nicht mehr mit dem von damals zu vergleichen", meint Breede mit einem Schmunzeln. Der 1937 geborene Juwelier erlernte, wie sollte es anders sein, den Beruf eines Goldschmiedes und absolvierte zudem eine kaufmännische Ausbildung. "Leider hatte ich zwei linke Hände", sagt er mit einer bescheidenen Untertreibung. "Sehen was gut war, konnte ich aber schon früh." Und so war es klar, dass Breede die händlerische Laufbahn einschlagen würde.

Das war Tradition im Hause Breede, deren Geschäft nur zeitweilig während des Zweiten Weltkrieges geschlossen war. "Meine Mutter erzählte mir immer, wie nach der Währungsreform 1948 eine Frau ins Geschäft kam und für die ganzen vierzig Mark, die jeder Deutsche erhalten hatte, eine Kette kaufen wollte." Dies hatte sie überzeugt, dass es irgendwie weitergehen würde. Ulf Breede absolvierte nach seiner Ausbildung einige Jahre bei angesehenen Häusern wie Brettschneider in Osnabrück, Brahmfeld & Gutruf in Hamburg, Gübelin in Luzern und Mellerio in Paris. 1963 trat er dann in vierter Generation in die Familienfirma, die damals sein Vater leitete, ein. Mitte der Siebziger Jahre übernahm er sie dann selbst.

Von Anfang an hatte Ulf Breede ein Faible für alten und antiken Schmuck, der immer noch eine der besten Wertanlagen ist. Ein holländischer Kollege brachte ihn auf die Idee, eine Ausstellung mit altem Schmuck zu machen, die Breede dann 1975 in Kiel realisierte. Sie wurde ein voller Erfolg und für ihn war klar, dass er sich spezialisieren musste. "Mit neuem und altem Schmuck gleichzeitig zu handeln, geht nicht,"

Ein Juwelier aus München lockte ihn in die bayrische Landesmetropole, wo er von 1986 an für zehn Jahre in der Residenzstraße 11 sein Geschäft führte. 1994 kam in Berlins nobler Fasanenstraße eine Dependance hinzu, die zwei Jahre später zu seinem einzigen Geschäftssitz wurde. "Es musste sein, denn die Kunden erwarten von mir immer eine persönliche Beratung und Betreuung." Breede ist heute in Deutschland einer der wenigen Juweliere, wenn nicht gar der einzige in der Champions League, der mit altem Schmuck handelt, da hierzulande eher die Antiquitätenhändler diese Sparte besetzt halten. Bei Breede findet man hauptsächlich Schmuck aus den Jahren 1900 bis 1955. "Ab 1960 wird es vielleicht für spätere Generationen interessant." Stücke aus dem 18. und 19. Jahrhundert komplettieren das Angebot. Sein frühestes war ein Collier aus dem 17. Jahrhundert. Sein schönstes ein Steckkamm um 1900, signiert mit Wilhelm Lucas von Cranach. Ein "Fabelwesen" aus Gold, Brillanten, Rubinen, Email und Horn.

"Das Schöne an meinem Beruf ist, dass man immer wieder Stücke entdeckt, die man noch nie gesehen hat", sagt er mit Begeisterung. Vorausgesetzt, man hat eben diesen Blick und diese Erfahrung. Sicher gehören Talent und eine Begabung dazu, aber es ist eben auch ein Gutteil harter Arbeit. Breede kennt sich in diesem seinen Metier aus wie kaum ein anderer. Fasziniert ist er vom Stil des "Art Jeweller" des 19. Jahrhunderts. "Goldschmiede wie Castellani in Rom oder Giuliano in London, die Renaissanceschmuck und Schmuck der Griechen und Etrusker nicht einfach nur kopierten, sondern handwerklich und künstlerisch weiter entwickelten." Stücke von Lalique, Gaillard oder Boivin lassen sein Herz immer wieder höher schlagen. Schmuck, der musealen Ansprüchen absolut entspricht. Anspruch hat Breede auch an seine Kundschaft. Seine Kunden sollten sich mit der Materie und der Geschichte des Schmucks befassen. Breede spürt, ob einer Herzblut mitbringt oder nicht. Er würde von sich aus auch nicht jedem alles verkaufen. Diskretion ist bei ihm Gesetz. Über Kunden und Preise wird nichts verlautbart.

Breede ist viel unterwegs. Topmärkte für seine Art von Schmuck sind nun mal London, Paris und New York. Seit 1981 ist er regelmäßig auf Kunst- und Antiquitätenmessen. Herrenhausen, München, Maastricht, New York, Palm Beach und Berlin. Sogar bei Mikimoto, dem Erfinder der Zuchtperle, war er in dessen Hauptgeschäft in Tokio drei Jahre mit einer Ausstellung vertreten. Einer seiner besten Sammler reiste Anfang der achtziger Jahre immer mit dem Privatjet nach Kiel, um seine Sammlung mit Stücken aus Jugendstil, Renaissance und Historismus zu komplettieren.

Ulf Breede selbst sammelt keinen Schmuck. "Da halte ich mich an die Bemerkung eines Kollegen, der mal sagte, kauf nie bei einem Händler, der das selbst sammelt, was er anbietet." Seit 1987 ist seine jetzige Frau Johanna mit im Geschäft. Sie lernte er in München kennen, als die damalige Studentin bei ihm im Geschäft für eine Freundin als Aushilfe einsprang. Zwischenzeitlich war sie acht Jahre beim Berliner Auktionshaus Villa Grisebach für die Fotografie verantwortlich. Seit April diesen Jahres hat sie gleich neben dem Schmuckgeschäft eine eigene Galerie für Fotokunst.

Ob der Name Breede auch in ferner Zukunft in dieser Branche noch bestehen wird, ist offen. "Vielleicht kommt ja mal einer meiner drei Söhne", sagt Breede mit einem Lächeln und fügt eine kleine Episode hinzu. "Eine Münchnerin sagte mir, als ich mein Geschäft in München schloss: 'Schade dass sie nach Berlin gehen. Wir haben so gern in ihr Schaufenster geguckt.' Ich darauf: 'Ja, wären Sie mal rein gekommen.'"